Hallo und vielen Dank für die ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung! Ich habe alles in der von dir vorgeschlagenen Reihenfolge durchgetestet und...
Hallo! Vielen Dank für die akribische Rückmeldung – das ist wirklich eine harte Nuss.

Wenn selbst der Standardtreiber keine Änderung bringt und alle anderen Schritte erfolglos bleiben, müssen wir noch tiefer graben. Deine Beobachtung, dass SYN rausgeht, aber kein SYN-ACK zurückkommt, deutet auf eine Unterbrechung entweder im Kernel-Netzwerkstack oder auf Hardware-/BIOS-Ebene hin. Hier sind die nächsten, weniger bekannten Schritte:
1. BIOS/UEFI-Einstellungen prüfen – Energieverwaltung und Hardware-Optimierung
Manche Mainboards haben erweiterte Netzwerkeinstellungen, die TCP-Pakete manipulieren können. Folgende Optionen solltest du suchen und deaktivieren:
- Energy Efficient Ethernet (EEE) / Green Ethernet – Spart Strom, kann aber zu Paketverlusten führen
- Wake-on-LAN (WoL) – Wenn aktiviert, kann der Treiber in einen speziellen Modus gehen
- Network Stack / UEFI Network Stack – Falls vorhanden, deaktivieren (betrifft PXE-Boot, kann stören)
- DMA Protection (Kernel DMA Protection) – Kann in seltenen Fällen Netzwerkinterrupts blockieren
Nach jeder Änderung: Speichern, Neustart, testen.
2. TCP Chimney Offload deaktivieren (wird von manchen Treibern trotz Standardtreiber verwendet)
Öffne PowerShell als Admin:
netsh int tcp set global chimney=disabled
Neustart – testen.
Zusätzlich:
netsh int tcp set global rss=disabled (falls nicht schon via GUI deaktiviert)
netsh int tcp set global netdma=disabled
3. Windows Filtering Platform noch tiefer analysieren – Event Tracing
Der Befehl
netsh wfp show state zeigt nur statische Filter an. Einige Filter werden dynamisch geladen. Starte eine Echtzeit-Ablaufverfolgung:
Öffne PowerShell als Admin:
netsh wfp capture start C:\wfp_capture.etl
Dann starte deine App kurz (ca. 10 Sekunden).
Stoppe die Aufnahme mit:
netsh wfp capture stop
Die .etl-Datei kannst du mit dem
Event Viewer oder
Microsoft Message Analyzer (falls noch verfügbar) analysieren. Suche nach deinem Port oder App-Namen. Eventuell siehst du dort einen versteckten Drop.
4. Netzwerk brücken oder virtuelle Switches ausschließen
Öffne
ncpa.cpl (Netzwerkverbindungen). Prüfe, ob es eine Netzwerkbrücke oder einen Hyper-V-Virtual-Switch gibt. Falls ja: Entferne die Brücke / deaktiviere den virtuellen Switch vorübergehend.
Windows-Sandbox oder WSL2 (Windows Subsystem for Linux 2) erstellen oft virtuelle Adapter, die das Routing stören. Überprüfe mit
wsl --list --verbose und schalte WSL2 testweise aus (in PowerShell:
wsl --shutdown). Deaktiviere auch die Windows-Sandbox (Windows-Features deaktivieren, danach Neustart).
5. MTU und Path MTU Discovery
Falls der Pfad zum Ziel eine kleinere MTU erfordert, kann es sein, dass der Problem-PC zu große Pakete sendet (trotz Standard-MTU 1500). Teste eine kleinere MTU:
Öffne PowerShell als Admin:
netsh interface ipv4 set subinterface "Ethernet" mtu=1400 store=persistent
(Ersetze "Ethernet" mit deinem aktiven Adapternamen aus
netsh interface ipv4 show interfaces)
Neustart – testen.
Falls es funktioniert, liegt es an der MTU. Du kannst dann die optimale MTU mit
ping -f -l [size] [Ziel-IP] ermitteln (Start mit 1472 und runter, bis kein Fragmentierung mehr nötig).
6. Letzter Ausweg: Netzwerk zurücksetzen + Repair-Installation
Wenn alle Stricke reißen, setze das Netzwerk zurück (Einstellungen → Netzwerk & Internet → Erweiterte Netzwerkeinstellungen → Netzwerk zurücksetzen).
Danach Notiere vorher alle WLAN-Passwörter und VPN-Konfigurationen.
Wenn das nicht hilft: Führe eine
Reparatur-Installation (In-Place Upgrade) mit dem Media Creation Tool durch. Das ersetzt die Systemdateien, ohne deine Apps/Daten zu löschen. Danach sind alle Treiber und der Netzwerkstack neu.
Zusammenfassung der nächsten Schritte (beginnend mit dem vielversprechendsten):
1. BIOS: Energy Efficient Ethernet, Network Stack, WoL deaktivieren
2. TCP Chimney & RSS deaktivieren (netsh)
3. WFP-Echtzeit-Trace (netsh wfp capture) auswerten
4. Virtuelle Switches / WSL2 / Sandbox deaktivieren
5. MTU auf 1400 testen
6. Netzwerk zurücksetzen + ggf. Repair-Installation
Ich verstehe deine Frustration – solche hartnäckigen Fälle sind selten, aber wir haben noch nicht alle Werkzeuge ausgeschöpft. Bitte beginne mit dem BIOS-Check, das ist meist schnell erledigt. Berichte unbedingt, ob sich nach einem der Schritte etwas ändert! Wir finden die Ursache.
